Wassermann

Wassermann

Das Bild des Wassermannzeichens zeigt einen Mensch als Wasserträger, welcher das Wasser des Lebens ausgiesst.
Für die alten Ägypter vertrat das Zeichen des Wassermanns die geistige Fruchtbarkeit und spirituelle Vitalität, sowie auch die Erneuerung. Das Gilgamesh-Epos hat einen Namen und eine Geschichte.
Gilgamesh verlor seinen besten Freund namens Enkidu. Dieser war sein Begleiter in der Armee. Gilgamesh versuchte Enkidu zurück ins Leben zu holen und machte sich deshalb auf die Suche nach dem Kraut der Unsterblichkeit. Zuerst musste auf diesem Weg einen Stier besiegen. Danach gewann er den Kampf gegen eine Gruppe Löwen. Anschliessend passierte er das Tor, wo drei Skorpion-Männer als Wache standen. Dies sind die ersten drei Zeichen des fixen Kreuzes, welches Gilgamesh zu überwinden hatte, bevor er die andere Welt erreichen konnte, in welcher der unsterbliche Utnapishtim lebte (Wassermann). Utnapishtim war ehemals ein sterblicher Mensch, der göttliche Stimmen hören konnte. Diese warnten ihn vor der Zerstörung der Welt. Dies nahm er zum Anlass, ein Boot zu bauen. Auf diesem rettete er sich vor der Überflutung, welche die Welt auslöschte.
Utnapishtim ist die babylonische Form von Noah und die Flut Geschichte, in welcher er die Hauptrolle spielte, ist der Prototyp der Sintfluterzählung im Genesis, dem 1. Buch Moses. Durch seinen Gehorsam gegenüber dem göttlichen Wünschen erhielt Utnapishtim das ewige Leben und die Obhut über das Kraut der Unsterblichkeit. Das Epos erzählt, wie Gilgamesch das Kraut der Unsterblichkeit gewann und es wieder verlor, weil die Menschheit nicht unsterblich wurde. Aber in der Mythologie finden wir die Verbindungen zwischen der Flut, Erneuerung und Unsterblichkeit.

Die alten Griechen erzählten eine andere Geschichte. Sie verbanden Wassermann mit Ganymed, der schöne Trojaner-Junge, welcher Zeus‘ (Jupiter) Aufmerksamkeit auf sich zog. Zeus stieg eines Tages in Form eines Adlers vom Olymp hinab und nahm Ganymed mit, um diesen zum Mundschenk der Götter zu machen. Die Götter lebten von Nektar und Ambrosia. Ambrosia war der „Trank der Unsterblichkeit“, welchen Ganymed ihnen ausschenkte. Dieses Getränk hat die gleiche Bedeutung wie das „Kraut der Unsterblichkeit“ von Utnapishtim.
Die Bedeutung des Wassermanns ist mit dem Konzept einer göttlichen Substanz, die das Leben nährt, verbunden. Es wird als „Wasser des Lebens“ oder als „Getränk oder Kraut der Unsterblichkeit“ beschrieben.

In unserer modernen Zeit wird Wassermann als das Zeichen des elektrischen Stroms, elektrischer Wellen, und nicht im Zusammenhang mit Wasser interpretiert. In der wissenschaftlichen Welt, in welcher leben, wo also die technologischen Aspekte hochentwickelt sind, wird die lebensspendende vitale Substanz mit elektrisch– kosmischer Energie erklärt und nicht mehr im Sinne von Magie.
Abgesehen davon wäre die Welt noch sehr langsam ohne die wissenschaftlichen Fortschritte, die seit der Entdeckung seines Herrscher-Planeten Uranus erzielt worden sind.

Der Uranus wurde während der französischen Revolution, sowie parallel auch die amerikanische und industrielle Revolution entdeckt. Sofort wurde er mit Freiheit und Unabhängigkeit, mit rebellischer Natur und auch mit dem Bruch von Regeln identifiziert. Das Wort „Pionier“ passt eindeutig zum Wassermann-Zeichen. In der Tat, Menschen, die mit einem starken Uranus geboren wurden, haben eine unglaubliche Pionier-Fähigkeit. Uranus ist rebellisch und versinnbildlicht die göttliche Kraft der menschlichen Kreativität.

Das Wort „Uranus“ kommt vom griechischen Ouranos und lehnt sich am Varuna-Sanskrit*. Der Gott Varuna ist der Schöpfer und Hüter des kosmischen Gesetzes, der ein ganzes Universum mit der Kraft des schöpferischen Willens geschaffen hat. Uranus ist daher eine wichtige Kraft der Schöpfung.

Wenn wir den Planeten Uranus und die oben zitierten Geschichten genau betrachten, erkennen wir, dass sein Verhalten nicht zu diesen passt. Eine Interaktion zu seinem ehemaligen Herrscher Saturn ist auch nicht einfach zu finden. Wir merken aber, dass sowohl der Uranus, als auch der Saturn zwei Götter mit unglaublich vitalisierender Fortpflanzungsfähigkeit sind. Und von beiden stammen die nachfolgenden Generationen.

Ein unangenehmes Detail ist die Tatsache, dass die beiden Götter nicht in der Lage sind, ihre Beschäftigungen aufzugeben, um neuen Generationen die Nachfolge zu ermöglichen. Sie können ihre Aufgaben nicht loslassen, bis sie diese nicht abgeschlossen haben. Dies erklärt das enorme und kreative Potential vom Wassermann, wie z.B. Ideologen, Erfinder und Künstler. Diese futuristischen Denker und Visionäre bringen die Menschheit vorwärts mit ihren revolutionären und fortschrittlichen Ideen. Sie können aber auch grosse Schwierigkeit haben, um alte Ideen, sowie Meinungen und Positionen loszulassen, auch wenn die Zeit dafür gekommen ist. In der klassischen Astrologie ist Saturn der Herrscher des Wassermanns. Die Beschreibung der Wassermann-Energie basierte auf Saturn. Heutzutage wird das Zeichen des Wassermannes durch den Planeten Uranus regiert.

Es ist interessant zu merken, wie beide Energien von Saturn und Uranus dem Zeichen des Wassermanns entsprechen. Zum Beispiel: Der Wassermann Ronald Reagan verkörperte sicherlich die vorsichtige und konservative Seite des Wassermann-Saturn. Auf der anderen Seite drückte er seine charismatische Seite des Uranus deutlich aus. Der Wassermann Abraham Lincoln besass nicht nur ein düsteres Aussehen, sondern auch Melancholie und die tiefen Gedanken des Saturns. Aber seine prophetischen Vorstellungen, seine Art als Freidenker und Sozialreformer stammen deutlich vom Uranus ab

Für Wassermann- Menschen ist es nicht genug, Informationen zu erhalten. Diese Informationen sollen anderen Menschen weitergeleitet werden, damit diese aus der Dunkelheit ins Licht der Erkenntnis finden können. Wassermann betont universelle Prinzipien und nicht persönliche. Eine egozentrische Person erträgt den Wassermann schlecht, weil für ihn alle Menschen auf der Welt gleich sind.

Das Zeichen des Wassermanns unterhält eine wichtige Verbindung mit dem Löwen, weil sie Gegenpole sind. Sie sind für bestimmte Situationen auch aufeinander angewiesen, wie z.B. im Gesundheitswesen: das Hauptorgan für den Löwen ist das Herz, für das Wassermann-Zeichen ist der Blutkreislauf sehr wichtig. Dieser ermöglicht das Überleben von Gehirnzellen, welche überlebenswichtig sind. So können neue Informationen erhalten und bearbeitet werden. So gehören Hirntumore, Blutgerinnsel, Arterienverkalkung und Herzinfarkt alle zu dieser Löwe- / Wassermann-Polarität.

Wassermann ist seiner Zeit voraus und er ist daher oft nicht mit unserer Welt, in der wir leben, synchronisiert. Uranus, der herrschende Planet des Wassermanns, wurde wie gesagt während verschiedenen Revolutionen entdeckt. In dieser Zeit war die Idee der Erleuchtung oder die Zeit der Technologien sehr intensiv. Viele Ideen und Wassermann-Erfindungen (wie bspw. jene von John Fitch und Thomas Alva Edison) ermöglichten es, die Welt leichter zu verstehen.

Der geniale und tiefe Wassermann-Verstand kann uns – gerade im Wassermann-Zeitalter – zum Bruch mit alten und schädlichen Verhaltensweisen führen. Wassermann kann auch Unruhe, Entfremdung und Rebellion verursachen, Symptome, welche heute bereits vorhanden sind.

Das Zeitalter des Wassermanns wird zweifellos zu verschiedenen Veränderungen führen, denn das ist Teil des Wassermanns. Aber wird es uns wirklich zu einer besseren Welt führen? Dies hängt davon ab, wie wir unsere Mitmenschen, Tiere und Mutter Natur in Allgemein wahrnehmen. Heute müssen wir uns täglich auf eine rationale, intellektuelle, technische und kontrollierte Welt vorbereiten. Was vielen von uns fehlt, ist der Versuch, beide Intelligenzen in unserem Leben zu integrieren, nämlich die geistige Intelligenz und die emotionale Intelligenz. In dem Moment, in welchem die irdische Zivilisation das Gleichgewicht zwischen geistiger und emotionaler Intelligenz findet, wird auf unserem schönen Planeten Erde der wahre Frieden herrschen.

Text: Luciana Volpolini Quinter

Bild: Josephine Wall
* Varuna Sanskrit bezeichnet die verschiedenen Varietäten des Alt-Indischen. Die älteste Form ist die Sprache der Veden, einer Sammlung religiöser mündlicher Überlieferungen im Hinduismus. Ihre Entstehung wird auf 1200 v. Chr. datiert. Das klassische Sanskrit wurde um 400 v. Chr. durch die Grammatik des Pāṇini kodifiziert (Wikipedia).