Steinbock

Steinbock

Ursprünglich wurde das Steinbock-Zeichen nicht von einer Ziege symbolisiert. Das Symbol war der „Ziegen–Fisch“, ein einzigartiges Bild, welches heute fast in Vergessenheit geraten ist. In der griechisch-römischen Mythologie wird der Steinbock durch die Ziege Aegipan repräsentiert, welche von Zeus unter diesem Sternbild platziert wurde. Durch den Mesopotamischen Einfluss auf die Ägypter entstanden die zwei Bilder Steinbock oder Ziegen-Fisch.

Die Griechen sahen im Steinbock die Ziege als Nahrungsquelle. Auch Amalthea wurde so assoziiert. Amalthea war die Ziegen-Nymphe, welche den kleinen Zeus (Jupiter) gestillt hatte, als dieser von seiner Mutter Rhea auf Kreta versteckt wurde, um ihn so vor dem Zorn seines Vaters Kronos (Saturn) zu schützen. Als Belohnung dafür wurde Amalthea als das Sternbild des Steinbock im Himmel platziert.

Wir können gut beobachten, dass die Steinbock-Menschen in der Regel sehr diszipliniert, fleissig, verantwortlich, praktisch und beharrlich sind. Es ist auch wahr, dass ein Steinbock-Mensch oder eine Person mit starken Steinbock-Einflüssen, viel von seinen Mitarbeitern verlangt, ebenso wie auch in seinem Freundes- und Familien –Kreis. Dies, weil sie mit sich selber hart sind und von sich selber auch viel verlangen.

In Rom war der Monat des Steinbocks (Dezember/Wintersonnenwende) die Zeit der Saturnalien, einem römischen Fest zu Ehren des Gottes Saturn. Laut dem französischen Altphilologen und Althistoriker Pierre Grimal, war Saturn ein Gott, dessen Kult von Griechenland nach Rom gebracht wurde, ebenso wie mehrere andere Götter. Zeus hatte Saturn vom Olymp-Hügel weggewiesen. Saturn liess sich dann in Capitolio nieder, wo er eine Stadt namens Saturnia gründete. Nach legendären Berichten unterrichtete Saturn das Volk in der landwirtschaftlichen Praxis.

Während dieser Zeit der Saturnalien wurden alle „normalen“ Sozial- und Sexualmoralen auf die Seite gelassen, sodass alles erlaubt war. Das Ritual der Wintersonnenwende markierte den Beginn der Rückkehr der Sonne und wurde als Saturnalien gefeiert.

Im Steinbock finden wir eine sehr interessante Kombination zwischen der Symbolik der winterlichen Distanz unter den Menschen, sowie auch die latente Sexualität, geistige Wiedergeburt und ein Sinn-Gefühl. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu erkennen, dass Vesta / Hestia (olympische Herrscher des Steinbock-Zeichens) all diese Eigenschaften besitzt. Vesta war eine Mystische Göttin und sie verkörperte diesen reflektierenden Distanz-Zustand des Winters. Sie war auch die Hüterin des zentralen Feuers, welches niemals erlöschen durfte.

Selbstbeherrschung ist das Hauptthema des Steinbocks-Zeichens. Vom Steinbock wird die totale Kontrolle über sein Verhalten und über die moralische Kraft verlangt. Der Herrscher-Planet des Steinbocks, Saturn, entspricht den komplexeren Archetypen im Astrologischen Mandala.

Wenn die anderen Planeten mit Saturn kombiniert sind, neigen sie in der Regel dazu, ihre eigene negative Seite mehr als ihre positive Seite zu präsentieren. Es könnte sein, dass die negativen Eigenschaften von jemandem im Vordergrund stehen und die positiven Eigenschaften unsichtbar im Hintergrund versteckt bleiben. Aber Saturn ist der Planet, der erhebliche Vorteile hat.

Es ist ein natürlicher Teil der menschlichen Natur, oft einen Schuldigen für Probleme zu finden, statt bei sich selber zu suchen. Deswegen kann es vorkommen, dass die Saturn-Steinbock–Menschen einen Fehler oder eine Verantwortung übernehmen, die nicht sie zu vertreten zu haben.

Die dunkle Seite des Planeten Saturn wird von Kronos, einem der sieben Titanen vertreten. Die antiken Schriftsteller leiteten den Namen Chronos aus Kronos ab, was Zeit bedeutet. Und tatsächlich repräsentiert Saturn/Steinbock sehr gut die Bedeutung der Zeit. Saturn ist auch mit Gesetzen, mit Stadt-Autoritäten und Behörden, sowie auch mit dem Militär und ähnliche Institutionen verbunden.

Die ersten Mystiker identifizierten Saturn als Gott des Alten Testaments, welcher als „autoritärer Vater“ strikte und besessen auf Einhaltung der Gesetze und der Gesellschaftsnormen pochte.

Saturn repräsentiert auch unsere eigenen Grenzen, unseren Pessimismus, sowie unsere Pflichten. Wenn wir diese Energie bewusst wahrnehmen, können wir sie im Saturn innewohnende Führungs-Energie verwandeln.

Wenn wir alle unsere eigenen Grenzen sowohl physisch, wie auch psychologisch entdecken und wahrnehmen, können wir besser mit all diesen Beschränkungen umgehen. Menschen, die ihre eigenen Grenzen erkennen, sind besser in der Lage ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Qualitäten zu erkennen und wertzuschätzen. Solche Menschen sind vorsichtiger mit sich selbst und mit ihren Mitmenschen. Sie haben eine erhöhte Toleranz gegenüber den Frustrationen des Lebens und eine grössere emotionale Selbstkontrolle bei Schwierigkeiten.

Wenn wir uns mit unseren Grenzen abfinden, sind wir reif, um bestimmte schwierige Situationen so einzuschätzen, dass wir wissen, wie weit wir gehen können. Es gibt wenig Über- und Unterschätzung. Wir erreichen das Mittelmass. Das ist ein sehr schwieriger Lebens-Prozess, aber bei einer optimistischen Denkweise ist das möglich. Denn schliesslich haben wir in uns diese wunderbare Energie von Saturn/Steinbock.

Wir können im Alltag ein grenzenloses Kind beobachten: es hat wenig Frustrations-Toleranz, es kann nicht ein „Nein“ von seinen Eltern oder der Lehrperson akzeptieren, es verhält sich tendenziell egozentrisch. Kinder mit einer gesunden Dosis an Grenzbewusstsein wachsen friedlich, selbstbewusst und kontaktfreudig auf, weil sie in der Regel wissen – oder solches bereit zu lernen sind -, wie weit sie mit bestimmten positiven und negativen Einstellungen umgehen können.

Selbstkontrolle ist ein wichtiges Thema des Steinbock-Zeichens.

Der Planet Saturn ist unser innerer Lehrer und hat vieles Positives in sich. Aber er kann uns auch in einen besessenen und tyrannischen Menschen verwandeln. Weil das Bild des Saturns eher unattraktiv ist, ist der Steinbock auch mit Eigensinn, Behinderung und Steifigkeit verbunden. Steinbock hat den Ruf von Kälte, Isoliertheit, Perfektionismus und Materialismus, sowie auch der Notwendigkeit, immer alles unter Kontrolle zu haben.

Aber als unser innerer Lehrer ist Saturn auch unser Mentor. Ein Beispiel ist der Charakter des Mentors in Homers Odyssee: der alte Berater und der junge Telemach. Während Telemach vergeblich auf seinen vermissten Vater wartet, führt ihn der Mentor mit klugem Rat.

Menschen mit starkem Saturn und/oder starkem Steinbock und mit betontem 10. Haus in ihrem Horoskop haben oft eine „kämpferische“ Beziehung zu ihrem autoritären Vater oder sie haben überhaupt keine Beziehung zum Vater, weil dieser oft abwesend oder inexistent ist.

Steinbock steht für die archetypische Bindung zum irdischen Vater oder für den Einfluss und die Führung, welchen/welche der Vater dem Kind vorgibt, damit dieses seinen eigenen Weg auf dieser Welt machen kann.

Der Vater kann das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein seines Kindes mit viel weniger Autoritarismus und mehr Förderung stärken, vor allem als Vorbild: weniger befehlen, mehr mit dem guten Beispiel vorausgehen. So entwickelt das Kind sein eigenes Selbstwertgefühl. Selbstverständlich gilt dies nicht nur für den Vater, sondern auch für die Mutter, bspw. als Alleinerziehende oder für Frauen, welche die tradizionelle Familien-Rolle mit ihren Ehemännern gerne tauschen.

Menschen, welche mit dieser Saturn-Steinbock-Energie nicht umgehen können, sind als Eltern oft zu autoritär, mit extremen Normen und sozialen Regeln. Sie fallen heute in der Gesellschaft mit einer sehr traditionellen im Sinne einer unflexiblen Familienstruktur auf.

Wir können feststellen, dass Steinbock und sein Familien-System gerne mit der Öffentlichkeit verbunden sind.

Menschen, welche die wahre und positive Energie des Steinbocks / Saturns leben können, entwickeln ihre Selbstbeherrschung und / oder starke und positive soziale Einflüsse in der Gesellschaft. Sie erkennen die Gesetze des Lebens und ihre eigene Grenzen. Solche Menschen sind innerlich und äusserlich stabil. Wenn wir dieses Stadium erreichen, sollten wir uns noch mehr auf das Kollektive konzentrieren, um für die Gesellschaft positive Einflüsse zu erreichen.

Luciana Volpolini Quinter – Mai 2014

Bil: Josephine Wall